Die Geschichte. Sie hat sich wie zufällig in den calles von Sevilla ergeben. Serendipity. Glücklicher Zufall, hat mir jemand gesagt. Ich weiss nicht ob es im Leben Zufälle gibt. Oder einfach alles Schicksal ist, vorherbestimmt. Mein Stehenbleiben. Die Zeichnung die mir mein vom Himmel gefallener Weihnachtsmann geschenkt hat. Erst in meinem kleinen (und kargen) Studio konnte ich sie in aller Ruhe anschauen. Und war und bin fasziniert. Von dieser Wimmelwelt in Kleinformat. Je länger ich das Bild anschaute, umso mehr kleine Details entdeckte ich.

Zu gern wollte ich ihm die eine oder andere Zeichnung noch abkaufen. Am nächsten Tag war er nicht dort. Am Nachmittag darauf – ich war mit zwei anderen Studenten unterwegs – sah ich ihn wieder. Francisco mit seinem Wagen und Lola, seinem Hund. Nur wusste ich das damals nicht. Ich freute mich einfach, dass ich ihn auf der Plaza Nueva wieder traf und eine Zeichnung kaufen konnte.

Wann immer ich ihn ab dann an seinem Ort auf der Strasse getroffen habe, kaufte ich seine kleinen Postkarten-grossen Zeichnungen. So gut es mit meinem Spanischniveau ging, plauderten wir zusammen. Irgendwann hat er begonnen mir „guapa“ zu sagen. Der Schmeichler. Ich dachte, er sitzt immer da, in dieser calle in der Innenstadt von Sevilla.

Meine letzte Woche hatte begonnen und er war plötzlich keinen Tag mehr da. Wieder durch einen glücklichen Zufall hatte ich in meinem curso superintensivo eine aufmerksame „sevillana“. Sie kannte ihn. Vom Sehen. Und wusste, in welcher calle er eigentlich immer war. Sozusagen seinen Stammplatz hatte. Und genau da an diesem zweitletzten Tag von mir in Sevilla entstand dieses Foto.

Er hatte gerade Waschtag. Zwei Behälter standen neben ihm, darin Seifenwasser und Kleider, die Sonne wärmte es, durch geknetet wurde von Hand. Gewissenhafte Reinlichkeit.

Ich kaufte ihm eines seiner etwas grösseren Bilder ab. Und er schenkte mir eines. Mit seiner künstlerischen Handschrift malte er seinen Gruss an mich schon fast.

Weil ich ihm das gemeinsame Foto schicken wollte, kamen wir auf eine Postadresse zu sprechen. Da, in der calle wo er meistens ist, vor einem Fotocopia Geschäft, nimmt ein so freundlicher wie zuverlässiger Manuel seine Briefe entgegen.

Es war von Francisco nicht erwartet. Dass ich in das Kuvert auch noch einen Zustupf steckte. Für sein Leben auf der Strasse. Und meine Adresse – für eine Zeichnung, wenn er möchte. Denn, er braucht keine Almosen. Er braucht Würde. Und seither bekomme ich Briefe aus Sevilla. Mit Zeichnungen. Mit spanischen Worten. Ich kann sie nicht immer genau nachvollziehen. Was ich immer entziffern kann… „para mi amiga Sibylle con cariño“. Manchmal denke ich insgeheim, ich freue mich mehr über seine Briefe als er über meine. Was ich damit sagen will? Es besteht kein Ungleichgewicht.

Zu Ehren von Félix Rodríguez de la Fuente, el hombre que inventó la naturaleza, bekam ich diese Zeichnung.

In einem anderen Brief Fischer und ihren Fang.

Verlinkt beim Wochenglück.

Posted by:swizzwoman

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